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Sonnenschutz

«Wenn ich Sonnenschutz auftrage, werde ich weniger schnell braun, darum nehme ich gerne einen leichten Sonnenbrand in Kauf, denn der wird ja dann auch braun!»

Wenn ich solche Aussagen höre, wird mir stets aufs Neue bewusst, dass – trotz intensiver Aufklärung durch Krebsliga und Kosmetikindustrie – die Sonne und deren Wirkung auf die Haut für viele immer noch ein Mysterium ist und das Halbwissen über Sonnenschutzfilter eher zu Missverständnissen führt. Sogar die Medien haben sich des Themas Hautkrebs angenommen; das bekannteste Gesicht ist in diesem Zusammenhang derzeit wohl jenes von Hugh Jackman. Ihm musste bereits zum zweiten Mal ein bösartiger Hautkrebs im Gesicht entfernt werden, und daran ist nicht nur die australische Sonne schuld!

Ja, ohne Sonnenfilter wird man schneller braun … Aber um welchen Preis!?!

Unsere Haut besitzt drei ineinandergreifende Schutzmechanismen, die unseren Organismus vor den schädlichen UV-Strahlen schützen.

  1. Trifft Sonnenlicht auf unsere Haut, werden die kurzwelligeren UVB-Strahlen von der Epidermis (Oberhaut) absorbiert. Diese UVB-Stahlen stimulieren unsere Melanozyten (Pigmentzellen), damit diese mehr Melanin produzieren. Je mehr Pigmente eine Haut besitzt, desto weniger sonnenlichtempfindlich ist sie. Was aber nicht heisst, dass eine dunkle Haut nicht auch Sonnenbrand, Hautkrebs oder Elastose (Erschlaffung des Bindegewebes) bekommen kann – das Risiko ist nur geringer.
  2. UVA-Strahlen können durch ihre Langwelligkeit tiefer in die Haut eindringen und schädigen in der Dermis (Lederhaut) unsere Bindegewebsfasern. Das Kollagen und Elastin, welche netzartig verwoben sind und unsere Haut elastisch und zugleich reissfest machen, werden brüchig. Wir wissen, was mit Leder passiert, wenn es der Sonne lange ausgesetzt ist, und genau so können wir uns das bei unserer Haut vorstellen. Um unser Bindegebe zu schützen, werden die Pigmente durch UVA-Bestrahlung dunkel. Je dunkler die Farbe, desto besser die Absorptionskraft.
  3. Durch unseren Schweiss gerät eine chemische Verbindung, die Urocaninsäure, auf unsere Hautoberfläche. Das Schwitzen dient der Temperaturregelung, und die Urocaninsäure filtert UVA-Strahlen. Durch eine Verdickung der Hornsicht (Lichtschwiele) werden die UVB-Strahlen am Eindringen gehindert.

Hier noch einmal unsere drei Hautschutzmechanismen im Überblick:

  1. Pigmentation
  2. Urocaninsäure
  3. Lichtschwiele

Viele Sonnenanbeter fühlen sich jetzt in ihrer Ansicht bestärkt, dass wir keinen zusätzlichen Schutz aus der Tube benötigen. Nur leider ist das falsch: Wir geben unserer Haut nicht die Zeit, um sich bereits im Frühling langsam an die Sonnenbestrahlung zu gewöhnen. Lange schützen wir unsere Haut mit einer Schicht Kleider, und sobald wir die Temperaturen als angenehm empfinden, legen wir uns ohne Angewöhnung unter die Sonne. Da sind unsere Schutzmechanismen überfordert – und genau deshalb müssen wir sie unterstützen.

Wir schützen uns mit chemischen und/oder physikalischen Filtern:

Physikalische Filter sind Zinkoxid und Titanoxid, welche die UV-Strahlen auf der Hautoberfläche absorbieren. Ihr Vorteil ist gleichzeitig ein Nachteil: Diese Totalblocker verhindern das Eindringen von UV-Strahlen und somit die Entwicklung und Ausreifung der Pigmente. Das kann bei Pigmentstörungen, Narben oder Hautstellen, die sehr sonnenempfindlich sind, erwünscht sein. Ein Totalblocker sollte jedoch nicht grossflächig eingesetzt werden, denn so würden wir die Aufnahme der UV-Strahlen komplett verhindern. Unsere Haut könnte sich folglich nicht an die Strahlung gewöhnen und somit keinen eigenen Schutz aufbauen.

Chemische Filter wie Benzophenon, PABA oder Homosalate stammen aus dem Labor und werden als LSF (Lichtschutzfaktor) oder SPF (Sun Protecting Factor) angegeben. Die Angaben der LSF sind nicht vergleichbar mit SPF, denn die Messverfahren sind jeweils verschieden. Grundlegend kann man sagen, dass ein SPF 30 einem LSF 50 entspricht. Diese Zahlen geben an, wie lange wir unsere Eigenschutzzeit verlängern können, da die UV-Strahlung nicht abgeblockt wird, sondern nur gefiltert respektive abgeschwächt.

Beim Verwenden von chemischen Filtern wird man braun, aber bei einem zu tiefen Schutz leider ebenfalls rot.

Viele kosmetische Sonnenschutzpräparate bieten eine Kombination aus chemischen und physikalischen Filtern und damit einen höheren Schutz. Rein physikalische Filter sind besser verträglich und können bei empfindlicher Haut und bei Babys angewendet werden. Mallorca-Akne (eine Akne-ähnliche Reaktion) entsteht durch die Reaktion von Emulgatoren und UV-Strahlung. Da physikalische Filter nur in Kombination mit Fett auf die Haut aufgetragen werden können, sollte in diesem Fall auf solche Filter verzichtet werden.

Wie entsteht Sonnenbrand?

Das UV-Erythem, wie der Dermatologe sagen würde, ist eine Überreizung der Lederhaut. Die starke thermische Einwirkung auf die Epidermiszellen durch die UVB und Infrarotstrahlen löst in der Dermis eine Entzündung aus, die sich wie eine Verbrennung anfühlt. Die Epidermis erneuert sich innerhalb von drei bis sieben Tagen und wird als Hautfetzen abgestossen. Die unsichtbaren Schäden befinden sich jedoch weiterhin in der Dermis. Mit den Jahren entwickeln sich Elastosen, Pseudonarben und Pigmentstörungen, und die Blutgefässe erweitern sich. Leider entarten auch Zellen, die Hautkrebs auslösen. Der schwarze Hautkrebs gilt als eine der tödlichsten Krebsarten.

Die Sonne macht schön, stark und glücklich

Die Sonne in kleinen Dosen und geschützt genossen ist für unseren Organismus überlebenswichtig. Das Licht regelt den Wach-/Schlafrhythmus, und ein gesunder Schlaf wirkt sich positiv auf unseren Stoffwechsel aus, was sich wiederum an der Haut ablesen lässt (siehe Blog «Mythos Schönheitsschlaf»). UVB-Strahlen sind verantwortlich für die Bildung von Vitamin D, Calciferol ist notwendig, um den anorganischen Stoff Kalzium in unseren Knochen einzulagern und diese bruchfest zu machen. Serotonin wird am Morgen ausgeschüttet, um das Schlafhormon Melatonin abzubauen. Der positive Nebeneffekt ist: Serotonin macht glücklich.

Geniesst den Sommer, die warmen Temperaturen und die Sonne, aber geschützt.

Esther Gerspacher

Esther Gerspacher

Schulleiterin, Kosmetikerin mit international anerkanntem CIDESCO-Diplom, Zertifizierte Erwachsenenbildnerin SVEB und Drogistin mit EFZ.

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